Als Verwandte der Sauna hat es die Infrarotkabine schwer, sich gegen Missverständnisse und Vorurteile zu verteidigen. Dabei handelt es sich bei der Sauna bloß um eine entfernte Kusine – gemeinsam haben die beiden Schwitzkabinen nur die heilende Kraft der Wärme.
Wer kennt sie nicht: Die Infrarotlampe, die immer gerne zum Einsatz kommt, wenn sich die Nebenhöhlen anfühlen, als wären sie mit Watte gepolstert oder wenn sich der Nacken nach Erlösung von steinharten Verspannungen sehnt. Doch statt die Kraft von Infrarot nur punktuell auf uns einwirken zu lassen, schafft eine ganze Kabine Linderung körperlicher sowie psychischer Alltagslasten und wirkt präventiv auf unsere Gesundheit.
Milde Wärme
Oft wird die Infrarotkabine als die etwas „andere“ Sauna empfunden. Doch sie ist keine Sauna, kann diese nicht ersetzen, kann aber umgekehrt auch nicht durch eine Sauna ersetzt werden – sie funktioniert nun mal ganz anders und wird beim Schwitzgang auch als ganz anders empfunden. Im Gegensatz zur Sauna wird nicht durch einen Ofen die Umgebungstemperatur erhitzt, vielmehr senden die in der Kabine mal mehr oder weniger sichtbaren Strahler aus Keramik, als Wärmefolien oder Wärmeplatten, die gesunde Infrarotstrahlung aus. Diese durchquert den Raum so lange, ohne ihn besonders aufzuheizen, bis sie auf einen absorbierenden – also einen Wärme aufnehmenden – Körper trifft. Dort kann sich die Infrarotkraft entfalten. Doch was genau ist Infrarot? Entdeckt wurden die Strahlen 1801 von dem Wissenschaftler Friedrich Wilhelm Herschel, er fand sie im Spektrum der Sonnenstrahlen. Anders als ihre Verwandten, die UV-Strahlen, sind IR-Strahlen jedoch nicht schädlich. Das Besondere an der Strahlung von Infrarot ist, dass die Strahlen die Sinneszellen der Haut stimulieren, die sie als Wärme wahrnimmt. Jeder kennt es: Gehen wir in die Sonne, ist uns warm, stehen wir im Schatten, kommt es uns vor, als wäre es kühler, obwohl die Lufttemperatur in der Sonne und im Schatten gleich ist. Bei einem Infrarotsystem erwärmen ganze 80 Prozent der Strahlen unsere Haut, nur 20 Prozent die Luft. Obwohl die Temperatur der Infrarotkabine um durchschnittlich 30 Grad niedriger liegt als in der Sauna, treiben die IR-Strahlen die Schweißdrüsen stark an. Beim herkömmlichen Transpirieren enthält der Schweiß etwa 95 bis 97 Prozent Wasser, beim Schwitzen in der Infrarotkabine beträgt der Wasseranteil 80 bis 85 Prozent. Der verbleibende Anteil setzt sich aus Fett und darin gelösten Giften, Cholesterin, Schwermetallen und Säuren zusammen. Der Körper schwemmt bei der Infrarotsitzung belastende Reststoffe aus, dadurch wird zusätzlich die Haut gereinigt – sie erscheint geklärt und glatter.
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Wie funktionert Infrarot?
Der augenscheinlichste Unterschied von IR-Kabinen im Vergleich zur Finnischen Sauna ist das milde Klima, das im Raum herrscht. Bei etwa 40 bis 65 Grad sind die Infrarotstrahlen der schweißtreibende Motor: Weil die elektromagnetische Wellenstrahlung fast völlig verlustfrei den Raum durcheilt, ohne die Umgebungsluft nennenswert zu erwärmen und erst dann wirksam wird, wenn sie auf den Körper trifft. Die Moleküle im menschlichen Körper fangen zu schwingen an und rufen durch ihre Bewegung vielfältige positive Effekte hervor. Und das ohne lange Vorheizzeit: Somit spart man Energie und Zeit. Nachhaltig fördert die Bestrahlung mit Infrarot die Regenerationsprozesse in der Tiefe des Hautgewebes.
Drei Strahlarten
Dabei kann man drei Arten von Strahlen unterscheiden: A, B und C. Die kurzwellige A-Strahlung findet eine Art „Fenster“ in der Haut und dringt bis ins Unterhautgewebe vor, um dort Tiefenwärme zu erzeugen. Zwar ist die Behandlung mit IR-A am intensivsten, doch darf sie bei TÜV-geprüften Kabinen nur bis zu einem bestimmten Anteil im Spektrum der Kabinenstrahler vorhanden sein, da sie aggressiver in die Haut eindringt als die mittelwellige B- und die langwellige C-Strahlung. C-Strahlen liegen sehr nahe an dem Spektrum, das der menschliche Körper selbst emittiert und deshalb auch gut absorbiert.
Gesundes Schwitzbad
Ähnlich wie die Sauna fördert der Gang in die Infrarotkabine nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Gesundheit. Bei einer Dauer von ungefähr 30 Minuten wird ein künstliches Fieber hervorge-rufen – bei der Erhitzung des Körpers wird das Immunsystem mobilisiert. Mit dem Alter sinkt die Fähigkeit, bei Krankheiten zu fiebern, somit ist die künstlich hervorgerufene Erwärmung ein gutes Training und eine Prävention in einem. Für hitzeempfindliche Personen, die nur bei einem milden Klima ohne von Feuchtigkeit durchtränkter Luft entspannen können, ist die Infrarotkabine eine sanfte Variante des balneologischen Relaxens.
Regelmässig IR-Baden
Aber genauso wie in der Sauna gilt auch hier: Nur die regelmäßige Anwendung verhilft zum gewünschten Effekt. Denn seltsamerweise weiß jeder Saunaliebhaber, der sein Immunsystem durch die finnische Schwitzkabine trainiert, dass nur ein regelmäßiges Saunaritual die Anfälligkeit für Zivilisationskrankheiten wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Probleme oder Verspannungen sinken lässt – bei der Infrarotkabine hat sich diese Einsicht noch nicht ganz so fest in den Köpfen ihrer Fans festgesetzt. Deshalb planen Sie fix Ihren Infrarot-Entspannungstag ein! Hier geht es vor allem darum, dass die Selbstbehandlung mit IR-Strahlen ein Ritual wird – wenn Sie nur einmal pro Woche eine halbe Stunde für die Wärmetherapie aufbringen können, ist das gut, wenn sie mehrmals Lust und Zeit haben, umso besser.
Text: Patricia Pfister